Interrail 1978 - die Anfängertour


Nachdem ich ein Jahr vorher erstmals von dem Interrail-Ticket gehört hatte, brach ich 1978 zu meinem ersten eigenen Bahn-Urlaub auf. Ich war 17 und meine Mutter ließ mich nur ziehen, weil Gisbert Poensgen, ein Klassenkamerad, mitfahren würde. Wir starteten in Athen mit dem Venezia Express, durchquerten das damalige Jugoslawien und erreichten zwei Tage später Venedig, von wo aus es gleich nach Nizza weiterging. Nach einigen Tagen an der Côte d'Azur ging es weiter in das Massif Central zum Städtchen Le Mont Dore. Keine Ahnung, warum ich dieses Ziel ausgesucht hatte. Eigentlich wollte ich Berge und Seilbahnen sehen, aber es war nebelig und goss in Strömen. Nach einer Übernachtung im Zelt und anschließend im Hotel, um die Ausrüstung wieder trocken zu bekommen, fuhren wir nach Paris. Gisbert gefiel es in der französischen Hauptstadt so gut, dass er dort blieb, wobei vielleicht auch eine Frauenbekanntschaft im Spiel war. Ich fuhr daher allein weiter entlang der Loire, um einige der berühmten Schlösser zu besichtigen: Chenonceau, Blois, Amboise, Chambord, Cheverny. Nach Brüssel bin ich des Atomiums wegen, aber das Wahrzeichen der Stadt war völlig heruntergekommen. Was für eine Enttäuschung! Und genauso erging es mir beim Anblick von Maneken Pis. Das Männchen war winzig klein! Ein Ausflug nach Waterloo brachte auch keine große Freude, denn außer der hügeligen Landschaft, wo die große Schlacht stattgefunden hatte, gab es nichts zu sehen. In Amsterdam beeindruckten mich die Museen (Rijksmuseum und Anne-Frank-Haus). Den Abschluss meiner Reise sollte ein Abstecher nach Dänemark bilden. In Silkeborg wollte ich Mette besuchen, eine Urlaubsbekanntschaft aus Tolon. Für einen Jugendlichen, der in Athen aufwuchs, war diese dänische Stadt ein sehr positives Erlebnis: alles war sauber und funktionierte hervorragend. Weniger positiv war die Tatsache, dass Mette bereits einen Freund hatte und meine diesbezüglichen Hoffnungen sich in dänischer Luft auflösten. Dafür erfüllte ich mir einen lang gehegten Traum: einen Besuch im Legoland in Billund. Eigentlich war ich schon zu alt dafür, kam aber als großer Lego-Fan trotzdem auf meine Kosten. Die Interrail-Uhr tickte und ich musste auf den letzten Drücker non-stop nach Athen zurück. Mit knurrendem Magen und 10 DM in der Tasche kam ich rechtzeitig wieder zuhause in Griechenland an. Aber es war klar, dass ich wieder Interrail machen musste.

Route: Athen, Venedig, Nizza, Cannes, Le Mont Dor, Schlösser der Loire, Paris, Brüssel, Amsterdam, Silkeborg, Legoland, Athen
- 30 Tage

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Buch


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eBook
128 S. mit Abbildungen
8 EUR




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Inhalt:
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. So auch Manfred Weis. In diesem Buch schildert er einige seiner interessantesten Geschichten aus über zehn Jahren Reiseerlebnissen. Im Mittelpunkt stehen dabei immer öffentliche Verkehrsmittel, insbesondere die Eisenbahn. So wird der Leser an die sowjetisch-türkische Grenze entführt, wo der Autor um seine Filme kämpfen muß. In der nubischen Wüste frißt er auf dem Weg nach Khartoum etliche Tonnen Staub. Weniger abenteuerlich, dafür aber umso amüsanter geht es auf dem Balkan und in Kleinasien zu. In mehreren Kapitel erzählt der Autor von seinen Interrail-Touren.