Interrail 1980 - für Fortgeschrittene


1980 war es wieder soweit. Ich hatte mir mit Ferienjobs etwas Reisegeld verdient und so ging es im Sommer wieder auf Achse. Diesmal mit Giorgio Schweeger, einem anderen Klassenkameraden, und seinem Bruder Christophoro. Geplant war eine Spanien-Rundreise. Was uns Jungspunden damals nicht bewusst war, dass die Franco-Diktatur erst ein paar Jahre her war. Wir starteten wieder in Athen und reisten mit dem Venezia Express erst nach Venedig und von dort gleich weiter bis nach Madrid, das wir nach vier Tagen erreichten. Wir wohnten in der Jugendherberge und suchten immer die billigsten Restaurants zum Abendessen. In Toledo war die Jugendherberge in einem alten Schloss untergebracht. Tagsüber war es mörderisch heiß, abends gab es dann eiskalte Duschen in den Schlossgewölben. Erste Begegnungen mit der islamischen Kultur machten wir in Cordoba und Sevilla. Christophoro hatte 40 Dia-Filme eingesteckt, die er jeden Abend auf Vollständigkeit überprüfen musste: jedes Mal ein Schauspiel. Die An- und Abreise nach Ronda führte über ein Kaff mit dem lustigen Namen Bobadilla, ein echter Bahnknotenpunkt, wo sich Fuchs und Hase "Gute Nacht" sagen. Anschließend gelangten wir zum Highlight der Reise: Granada. Ein Großteil von Christophoros Filmen dürft dort belichtet worden sein. Mit einem Nachtzug ganz alter Kategorie, der sicher auch in "Spiel mir das Lied vom Tod" eine gute Figur gemacht hätte, fuhren wir in 24 Stunden nach Barcelona. Leider wird diese Linie heute nicht mehr bedient - Talgo sei dank. Die Stadt, die heutzutage ein begehrtes Reiseziel ist, war damals ein ziemlich heruntergekommener Ort, von dem wir wenig begeistert waren. Die Verhältnisse in der Jugendherberge taten ihr Übriges, um den negativen Eindruck zu bestätigen. Ich kann mich nicht entsinnen, jemals wieder in einem so kleinen Zimmer mit so vielen anderen Reisenden eingepfercht gewesen zu sein, schwitzend und ohne Klimaanlage.

Route: Athen, Venedig, Irun, Madrid, Toledo, Cordoba, Sevilla, Ronda, Granada, Barcelona, Zürich, Basel
- 30 Tage

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Buch


Kurswagen nach Dogukapi
eBook
128 S. mit Abbildungen
8 EUR




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Inhalt
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. So auch Manfred Weis. In diesem Buch schildert er einige seiner interessantesten Geschichten aus über zehn Jahren Reiseerlebnissen. Im Mittelpunkt stehen dabei immer öffentliche Verkehrsmittel, insbesondere die Eisenbahn. So wird der Leser an die sowjetisch-türkische Grenze entführt, wo der Autor um seine Filme kämpfen muß. In der nubischen Wüste frißt er auf dem Weg nach Khartoum etliche Tonnen Staub. Weniger abenteuerlich, dafür aber umso amüsanter geht es auf dem Balkan und in Kleinasien zu. In mehreren Kapitel erzählt der Autor von seinen Interrail-Touren.